Dressed in steel

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Versuch und Fehlschlag

An dieser Stelle möchte ich einfach mal alle Versuche zusammen tragen. Also Dinge die ich einfach mal ausprobieren wollte.

Erhitzen von Aluminium

Mein aktuelles Projekt einer Aluminium-Kalotta bringt mich schier zur Verzweifelung. Die erreichbaren Umformgrade sind mehr als dürftig weil das Umformen eines Bereiches das starke  Zurückformen der Umliegenden Bereiche zur Folge hat.

Also wäre es am schönsten die Festigkeit des Umzuformdenden Bereich durch erhitzen zu reduzieren. Ich weiß das die Schmiedetemperatur von Aluminium etwa bei 500°C liegt….schmelzen tut das Zeug jedoch bei etwas über 600°C. Also probieren wir das mal aus.

Ich eritze ein dünnes Aluminiumblech mit der Lötlampe.

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Man kann die Temperatur nur erahnen. Irgendwann stellt sich die im Bild zu sehende orangene Färbung in der Flamme ein. Danach wird das Material matt und kurz danach schlägt es auch schon blasen.

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Ich habe das unbehandelte Alu, das matte Material und das bereits mit Blasen besetzte Aluminium umgeformt. Zwischen unbehandelt und Matt konnte ich keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Und das mit blasen besetzte Alu war spröde und ist gebrochen.

 

Ätzen von Aluminium

In einem Tuner-Forum hatte ich gelesen das man Aluminium mit Abflussfrei aus dem Supermarkt ätzen kann. Das musste ich natürlich ausprobieren (vorallem da ich nicht geglaubt hatte das das Zeug stark genug ist). Zusätzlich wollte ich ausprobieren ob ich zum Abdecken nicht zu ätzender Flächen anstatt teuren Asphaltlacks auch billige Farbe verwenden kann.

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Also bereite ich ein Alu-Blech vor: ich lackiere es mit Wandfarbe und kratze mit einem Messer zu ätzende Formen rein.

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Jetzt kam es zum Ätzen (oder wie bringe ich mich in meiner Küche fast selbst um….verzeit das es davon keine Fotos gibt). Ich habe 3 Esslöffel Abflussfrei in 200mm Wasser in einer Kunststoffschale aufgelöst. Die Mischung fing an zu rauchen (was auf eine sehr konzentrierte Säure schließen lassen könnte). Der Rauch hat in den Atemwegen gebrannt.

Sobald das Werkstück in der Säure lag kam es sofort zu einer starken Bläschenbildung (also wurde das Material geätzt). nach 40 Sekunden in der Säure sieht das Ergebnis so aus:

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Fazit:

-Säure aus handelsüblichen Abflussfrei ist nicht zu unterschätzen und ist nur gut belüftet zu verarbeiten

-Die Kunststoffschale hat es unbeschadet überlebt

-Das Aluminium wurde angeätzt

-Die Wandfarbe wurde weggeätzt

Daher werde ich das ganze nochmal mit Asphaltlack wiederholen und auch Stahl und Messing ausprobieren.

So Hier der Versuchträger lackiert mit Asphaltlack.

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Lackieren war sehr einfach. Kratzen der Farbe ging so gut wie garnicht.

Diesen Versuchträger habe ich 15 Minuten in eine Lösung aus 400ml Wasser und 4 Esslöffel Rohrfrei gelegt. Und hier ist das Ergebnis:

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Aufgrund der Tatsache das das Ätzen beim Helm schief gelaufen ist versuche ich es aufs Neue. Unterschied beim Lackieren ist diesmal, dass ich das Blech vorher mit Spiritus gereinigt habe und die Farbe vor dem Auftragen verdünnt habe.

Zusätzlich habe ich zum Abdecken auch Malerkrep und Maleracryl verwendet. Hier ist der Versuchsträger:

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Den Probeträger habe ich dann für 30 Minuten in eine Lösung aus 400ml Wasser und 40g Rohrfrei gelegt.

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Danach habe ich die Vertiefungen mit Easy Black von Birchwood geschwärzt. Hier das Ergebnis:

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Ergebnis: Der Ätzgrund lies sich viel besser auftragen. Jedoch scheint er löchrig gewesen zu sein so das ungewollte Ätzstellen entstanden sind. Das Malercrep hat auch nicht zuverlässig abgedeckt.

 

Nächster Versuch:

Diesmal habe ich hochwertige Pinsel zum Auftragen der Farbe verwendet und für das Anrühren der Ätze warmes Wasser verwendet. Zum Abkleben habe ich Abklebeband aus Kunststoff verwendet.

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Ergebnis: Durch die Temperatur der Ätze wurde bereits in 7 Minuten eine gute Ätztiefe erreicht (bestimmt 0,2mm). Die Lackschicht war diesmal undurchlässig jedoch sind ein paar Fehlätzungen im Übergang zwischen Lack und Klebeband entstanden. Die Schwärzung des Easy Black hat dem Universalreiniger nicht standgehalten.

 

Das richtige Brüniermittel

Bevor ich an die nächsten Stahl-Projekte zum brünieren gehe wollte ich nochmal einige Ideen/Rezepte ausprobieren.

Hier ein Bild meiner Probestücke. Alles 0,8mm DC01 Blech gereinigt.

Bild1

1 – Blech ca. 20 Minuten in Essig gekocht. Ergibt eine matte, graue und gleichmäßige Oberfläche

2 – Leinöl eingebrannt. Auf die leicht angewärmte Oberfläche habe ich das Leinöl dünn aufgestrichen. Das Blech habe ich mit dem Bunsenbrenner so lange erwärmt bis das Öl mit weißem Rauch abgeraucht ist

3 -Schweineschmalz eingebrannt. Aufgetragen analog 2

4- Blech nach Beschreibung 1 in Essig gekocht und danach entsprechend 2 mit Öl eingebrannt

5 – In Lehm geglüht. Das Blech habe ich in Lehm eingepackt und das Packet im Backofen bei 200° ca. 30 Minuten hart gebacken. Danach habe ich das Packet mit dem Bunsenbrenner zum glühen gebracht

6- Bienenwachs eingebrannt. Aufgetragen analog 2

 

Als Rostschutztest habe ich die Bleche danach für 24 Stunden in eine Salzlösung eingelegt.

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Meine beiden Oberflächen-Favoriten Einbrennen mit Öl und Wachs haben stark unterschiedlich abgeschnitten. Das Eingebrannte Öl hat mitten in der Fläche starken Rost gezeigt wobei das Wachs sich Wacker geschlagen hat.

Die beiden Bleche die im Essig gekocht wurde haben die wenigsten Roststellen.

 

Um die Abriebfestigkeit zu testen habe ich alle Bleche teilweise mit 180 Sandpapier und jeweils 10 Zügen angeschliffen.

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Mit deutlichem Vorsprung steht hier das eingebrannte Öl.

4 comments on “Versuch und Fehlschlag

  1. Gee Simon
    May 10, 2016

    Rohrreiniger enthält Natriumhydroxid (NaOH) oder Kaliumhydroxid (KOH) und bildet damit Laugen. keine Säure. Laugen wirken sehr stark zersetzend auf Aluminium, dabei entsteht Knallgas. Acryldispersionsfarbe ist denkbar ungeeignet als Maskierlack! Die Farbe ist ja Dampfdurchlässig und weist zudem einen sehr geringen Gehalt an Filmbildner auf. Besser wäre sog. “Retuschefirnis” oder Maskierlack für Siebdruckfilm. Ersterer löst sich in Spiritus, der andere in Etylacetat. Auch Asphaltlack (Ofenrohrlack) geht gut – der löst sich in Terpentin (Achtung – Terpentinöl und der Ersatz Orangenöl ist jeweils ein starkes Lungengift).

    Wenn ich mir das Projekt so ansehe: Du würdest mit Kupferblech weitaus bessere Ergebnisse erzielen: beim Umformen, beim Löten, beim Normalglühen, beim Ätzen (Eisen-III-Chlorid & HCL) und beim Brünieren … alles *viel* einfacher. “Silbern” wird das Kupfer durch Reduktionszinn und “antik” mit “Rub ‘n Buff” Paste oder Graphitpulver in Bohnerwachs…

    • nilsmandel
      May 11, 2016

      Vielen Dank für die detaillierten Hinweise. Besonders den Firnis und den Maskierlack werde ich mal suchen.

      Kupfer ist bei dem Versuch raus gefallen da ich ein leichtes und moderat stabiles Rüstungsteil herstellen wollte.

      Leider hat die hohe Dichte Kupfer aus dem Rennen gekickt.

      Und ich wollte immer schonmal was mit Aluminium machen 😉

  2. Simon
    May 19, 2016

    Wenn man wirklich leidensfähig ist, kann man auch Harzgallen aus der Rinde von Nadelbäumen (das Harz muss schon spröde sein und sich zu feinem Pulver zerreiben lassen – wie Colophonium) mit Spiritus aufgiessen. Das Ergebnis nach mehrmaligem Dekantieren ist ein honigfarbiger “Abdecklack” – zu 100% öko und fast umsonst.

    • nilsmandel
      May 20, 2016

      Ui. Na das hört sich nach Spass an. Würde es aber trotzdem erstmal hinten anstellen 😉
      Wüsste garnicht wie ich an genug Harzgallen kommen sollte.

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