Dressed in steel

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Brünierte Kalotta – fertig

Hier soll eine historisch angelehnte Kalotta entstehen. Als Vorbild dient die historische Kalota ohne Gesichtsschild aus dem späten 12. Jahrhundert (vgl. http://www.historiavivens1300.at/helme/index.htm)

Der Helm wird eine Innenpolsterung und einen Kinnriemen bekommen.

Ich fertige den Helm aus einem 1,5mm starken DC01 Stahlblech an.

Konzepterstellung:

Ich fange das Projekt mit mehreren Konzeptzeichnungen an um erstmal einen Überblick zu bekommen.

Bild1

Ich werde den Helm 8 mit Nasla c bauen. Der ganze Helm wird geschweißt und Feuerbrüniert.

Zeichnungserstellung:

Nach dem Konzept kommen die Zeichnungen. Diese erstelle ich im Maßstab 1:1 auf Karton.

Aber vorher kommt das Ausmessen. Ich habe mich hier auf eine Abbildung beschränkt da das einhändige Spiegelfotografieren nicht zu meinen Stärken zählt.

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Neben dem eigentliche Schädel messe ich noch die Position der Augen und der Nasenspitze aus.

Schablonenerstellung:

Die Schablonen stelle ich aus 0,5mm Aluminiumblech her. Gegenüber Papier- und Pappeschablonen ist Aluminium sehr viel länger haltbar und in Preis und Verarbeitbarkeit nicht viel schlechter.

Dieses Blech lässt sich theoretisch auch mit einer Küchenschere schneiden (jedoch schmerzen einen die Finger schon recht schnell). Daher sind Blechscheren die beste Wahl.  Positionsmarkierungen stelle ich mit einer kleinen Lederlochzange her.

Die Schablonen für diesen Helm stelle ich als Viertel-Schablonen her. Das heißt, dass ich sie beim Anreißen vier mal aneinander legen muss.

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Bei diesem Helm habe ich komplett auf Lehren verzichtet da er für meinen Kopf gedacht ist und den hab ich immer dabei.

Werkstücke zuschneiden:

Hinweis: wirklich wichtig ist beim zuschneiden von Blech das tragen von Arbeitshandschuhen. Diese sollten mindestens getragen werden bis alle Teile entgraten sind.

Als erstes werden alle Elemente mit den Schablonen auf das Blech übertragen. Für alle zu schweißenden Kanten nutze ich die Anreinadel um die Kante so genau wie möglich schneiden zu können. Alle anderen Kanten werden wie gehabt mit dem Filzer angezeichnet.

Für alle konvexen Schnitte nehme ich wieder die Blechhebelschere. Dabei wird zuerst grob vorgeschnitten (mehr als 30mm sollten nicht überstehen) und danach feingeschnitten.

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Den Schlitz in der Helmdecke schneide ich mit der Hebelschere vor und die letzten Millimeter mache ich mit einer Handschere (die Hebelschere würde sonst Marken auf dem Werkstück hinterlassen)

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Die Konkaven Schnitte mache ich an einer Bördelmaschine mit Klingenrollen.

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Das Schneiden mit der Bördelmaschine ist grundsätzlich erstmal sehr leicht. Das Schwierige ist damit gerade Kanten zu schneiden. Da hilft nur exaktes Arbeiten.

Danach kommt das Geradebiegen, das Feilen und entgraten.

Alle zu schweißenden Kanten grate ich auf der Außenseite etwas stärker um die Schweißnaht vorzubereiten.

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Jetzt sind wir fertig zum Formen.

Formen der Einzelteile

Da der Helm eine reine Schweißkonstruktion ist komme ich mit einfachem Biegen aus. Die Einzelteile werden über dem Horn eines Sperrhaken von Hand (an den Kanten ist dann doch ein Hammer notwendig) gebogen.

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Das ganze erfolgt mit wenig Kraft da DC01 sich schnell verformt. Die Passform kontrolliere ich immer wieder an der 1:1 Zeichnung.

Graten der Kalotte und des Nasals

Kurzentschlossen soll Nasal und Kalotte noch eine einheitliche Gratung (Ich nutze den Begriff Grat wenn zwei gerade Blechflächenim Winkel aufeinander stoßen…den Begriff Flutung nutze ich bei zwei Konvexen Blechflächen)  erhalten.

Das Vorgehen bei Graten und Fluten ist jedoch fast gleich. Zuesrt wird von innen die Linie des Grates mit einem stumpfen Meißel vorgeschlagen (als Auflage nutze ich einen Eichenstamm).

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Danach wird die gewünschte Form von aussen geschlagen.

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Da ich einen Grat erhalten will gehe ich auf die scharfe Kante eines Ambosses und nutze eine leicht balligen Hammer. Jetzt schlage ich das Material neben der gemeizelten Erhöhung nach unten während die Erhöhung auf der Ambosskante aufliegt. Bei diesem Schritt wird der Winkel des Grates fest gelegt. Bei einer Flutung würde man auf einem Bördeleisen arbeit und wie Wölbung der Konkaven festlegen.

Beim Graten kommt noch ein dritter Arbeitschritt hinzu. Dabei werden die Flächen neben dem Grat von Innen auf einer geraden Fläche geglättet.

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Feinformen:

Die Bauteile sind jetzt grob gebogen und geformt. Jetzt kommt das Schlichten dran. Das mache ich wieder auf dem Sperrhaken mit einem leichten Schlichthammer. Die Außenkante des Deckels habe ich mir auf die Arbeitsplatte gezeichnet und passe daran die Kalottenteile an.

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Nach dem Schlichten packe ich die beiden Kalottenhälften mit Schraubzwingen zusammen. Dabei hat sich gezeigt das die Schweißkante zum Deckel noch ein bisschen wellig ist. Wie auf dem Bild zu sehen stelle ich die Kalottenhälften mit der Schweißkante auf eine gerade Unterlage und zeichne von Dort aus eine gerade neue Kante. Da musste nicht viel Material weg, deshalb habe ich die Überstände mit dem Schleifbock weggeschliffen.

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Jetzt wird der Nasal noch angepasst und schon sind wir bereit zum Schweißen.

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Schweißen

Ich schweiße die Teile mit einem Schutzgasschweißgerät eines Freundes. Schutzgasschweißen von Blech geht schon ganz gut….WIG oder Acetylen Schweißen wäre einfacher. Aber man nimmt was man kriegt.

Als erstes werden die Kalottenteile zusammen gepunktet und anschließend fertig geschweißt.

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(Verdammt…ich habe mal Schweißen gelernt und konnte es ganz gut….ist wohl ne Übungssache die man auch gut wieder verlernt)

Das Punkten hat den Sinn das die Teile sich beim Ausschweißen wegen der ungleichmäßigen Wärmezufuhr zumeist verziehen. Durch das Punkten werden wenigstens alle Schweißkanten an Ort und Stelle gehalten.

Anschließend wird der Rest des Helmes zusammen Gepunktet und fertig verschweißt.

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Durch die unsauberen Schweißnähte steht mir jetzt recht viel Schleifarbeit bevor (und die mache ich am wenigsten gerne)

Schleifen

So nach 1,5 Stunden Schleifen ist das Gröbste erledigt.

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Der Helm hat noch ein paar unschöne Stellen. Diese könnte ich rausschleifen oder überschweißen…die Entscheidung nochmal zu schweißen oder nicht wurde mir aber (weiter unten beschrieben) abgenommen.

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Nach dem Vorschliff richte ich die Schweißnähte nach. Diese hatten sich teilweise sehr stark verzogen und hatten die Helmform schräg gezogen. Bei diesem Richten ist mir dann die Schweißnaht des Helmdeckels gerissen.

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Also wieder ran ans Schweißgerät und Flex 😦

So nach längerer Pause ist der Helm nachgeschweißt und verschliffen:

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Als nächstes schneide ich den unteren Rand gerade (die beiden Kalottenteile haben sich wohl beim Schweißen leicht verschoben). Dazu bocke ich den Helm auf und richte ihn so aus das die Kante zwischen Kalotte und Deckel parallel zur Tischkante verläuft.

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Dann zeichen ich die neue Kante ein und passe den Übergang zum Nasal an.

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Das überstehende Material schneide ich mit der Bördelmaschine ab (Stichsäge wäre an der Stelle auch eine gute Alternative).

Jetzt Bohre ich die Nietlöcher und verschleife die Oberfläche (mit einer Flex, Klettscheibe und 180 Schleifpapier). Zu sehen ist von das Ergebnis nach dem ersten Schliff und zwei Bilder mit leicht anmatierter Öberfläche (mit einem Schleifschwamm kreisend über die Oberfläche gehen) und eingesetzten (rostenden) Nieten.

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Die Verzierung des Nasals habe ich mit einem stumpf geschliffenen Meißel eingeschlagen. Leider hab ich die Fotos dazu geschrottet.

Jetzt muss der Helm noch fertig geschliffen werden und dann geht es an die Anbauteile und ans Brünieren.

Anbauteile

Der Helm bekommt einen Lederkranz an den der Kinnriemen und das Innenfutter angenäht werden. Sowohl Kranz als auch Kinnriemen schneide ich aus 4mm Kernleder aus und tränke sie aus mit einer Schmelze aus Wachs und Olivenöl. Das macht das Leder schön geschmeidig ohne das es labberig wird. Die leichte Säure des Olivenöls (und die Tatsache das es ranzig wird) werden das leder angreifen und zum “Used-Look” beitragen.

Als nächstes hab ich die Schnalle angefertigt. Leider habe ich auch diese Bilder geschrottet. Hier das Ergebnis:

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Das Schnallenblech ist aus 0,8mm Blech und ist mit Schlossfeilen und Meißel verziert. Der Schnallenbügel ist aus einem 3mm Nagel. Die Form habe ich im Schraubstock gebogen, am Amboß eckig geschlagen und verschliffen. Die Zunge ist aus einem 2mm Nagel und ist genau so gefertigt wie der Bügel.

Diese Schnalle niete ich direkt mit der Nietunterlage und einem flachen Hammer an den Kinnriemen:

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Zum vernieten des Lederfutters habe ich mir noch Unterlegscheiben aus 1,5mm Blech gefertigt. Leider sind auch diese Bilder kaputt. Die 12 Unterlegscheiben habe ich aus einem Blechstreifen gefertigt und erst nachdem alle Löcher gebohrt waren habe ich die einzelnen Scheiben geschnitten.

Brünieren

Die Kleinteile brüniere ich klassisch. Ich mache Sie in der Esse heiß (nicht glühend) und tauche sie in Öl. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt bis das Ergebnis gefällt.

Beim Helm wollte ich etwas neues ausprobieren. Unter der Vermutung das der mittelalterliche Plattner keinen riesen Topf Öl hatte wollte ich dieses Mal das Werkstück dieses mal nicht tauchen sonder mit Öl benetzen. Hierzu habe ich das in der Esse heiß gemachte Werkstück mit einem Ölgetränkten Lappen abgerieben (Warnung: das Öl wird verpuffen und in Flammen aufgehen).

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Das Endergebnis ist gut aber es war eine riskante und schmutzige Angelegenheit. Bitte entschuldigt das ich von dem eigentlichen Prozess kein Foto habe aber es war recht schwierig nicht in einem Feuerball aufzugehen.

Hier ist das Ergebnis:

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Endmontage

Als ersten Schritt kommt das Schmiedezeichen drauf:

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Danach kommt die Montage der Belederung. Die Nieten werden zuerst mit einem flachen Hammer gestaucht und danach mit einem Kugelkopfhammer abgerundet…das ganze wieder auf der Nietunterlage.

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Danach nähe ich den Kinnriemen fest (Mit Paketband…das ist stabil…sieht gut aus…und kann gut verarbeitet werden).

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Jetzt fehlt nurnoch die einzunähende Polsterung. Polsterung ist an dieser Stelle übertrieben…der Helm ist bereits recht knapp und die Polsterung der Kettenhaube ist an der Stelle ausreichend deshalb nähe ich eine einfache Leinenhaube rein.

Jetzt noch alles schön ölen und fertig ist er.

Fertiger Helm

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Das ist das Ergebnis aus einem Monat Arbeit (max. 20 Stunden). Kosten lagen alles in allem unter 30 €.  Er passt wie angegossen also kein Helmrutschen mehr.

5 comments on “Brünierte Kalotta – fertig

  1. grischasblog
    May 6, 2013

    Sehr schöner, angemessen schlichter Helm. Wirkt überhaupt nicht selbst “gebastelt”, aber auch kein bisschen “von der Stange”.
    Das Detail Kinnriemen an Helm gucke ich mir ab 🙂

    • nilsmandel
      May 7, 2013

      Vielen Dank. Wir testen erstmal ob die Befestigung hält.

  2. traumschmiede
    December 18, 2013

    Und jetzt soll geätzt werden? Gibts dazu schon einen Unterteil des Blogs oder How To?
    Weitermachen ^^

    • nilsmandel
      December 19, 2013

      Moin,

      nee nicht die brünierte kalotta wird geätzt sondern die aus Aluminium (ist gleich der erste Beitrag).
      Sobald das geklappt hat schreibe ich ein kurzes How to.

      Gruß

      Nils

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This entry was posted on April 2, 2013 by in Informationsquellen.

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